Mit Herz und Haltung – Achtsamkeit als Grundlage frühkindlicher Pädagogik
Der Fachtag „Mit Herz und Haltung. Achtsamkeit leben in der Kita" am 26. März 2026 hat gezeigt: Gute Pädagogik ist möglich – auch unter anspruchsvollen Bedingungen. Rund 240 pädagogische Fachkräfte aus der Region Bodensee-Oberschwaben kamen an der Pädagogischen Hochschule Weingarten zusammen, um gemeinsam innezuhalten, sich auszutauschen und konkrete Impulse für ihre tägliche Arbeit mitzunehmen.
Achtsamkeit als fachlicher Kompass
Im Mittelpunkt stand eine Frage, die viele Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte täglich beschäftigt: Wie gelingt es, Kindern und Familien wirklich zugewandt zu begegnen – trotz Personalmangel, Zeitdruck und hoher Belastung? Die Antwort des Fachtags war klar: Achtsamkeit ist keine Zusatzaufgabe, sondern die Grundlage professionellen Handelns. Wo Fachkräfte bewusst und achtsam handeln, entstehen Kitas, in denen sich Kinder sicher entwickeln, Familien verlässliche Partner finden und Teams dauerhaft handlungsfähig bleiben.
Petra Honikel, Leiterin der Caritas der Region Bodensee-Oberschwaben, und Wolf-Dieter Korek, fachlicher Vorstand des Landesverbandes Katholischer Kindertagesstätten e.V., unterstrichen in ihren Grußworten, dass fachliche Qualität und pädagogische Haltung untrennbar zusammengehören. Im Blick auf den neu erschienenen Orientierungsplan für Kindertageseinrichtungen wurde deutlich: Achtsamkeit ist kein Ideal, sondern ein fachlicher Kompass für den Alltag.
Vom Erkennen zum Handeln: der Hauptvortrag von Sylvia Zöller
Referentin Sylvia Zöller griff diesen Gedanken im Hauptvortrag auf und machte Achtsamkeit in zwei lebendigen, methodisch vielfältigen Vortragsteilen unmittelbar erfahrbar. Die Teilnehmerinnen reflektierten eigene Verhaltens- und Reaktionsmuster, erkannten Wirkzusammenhänge in ihrer täglichen Praxis und entwickelten konkrete Handlungsstrategien. Das Ergebnis: keine abstrakte Theorie, sondern echte Handlungsfähigkeit – direkt anwendbar in der nächsten Situation mit einem Kind, einer Familie oder im Team.
Vielfältige Impulse in 13 Workshops
Am Nachmittag vertieften 13 Workshops diese Impulse in der Breite und Tiefe. Die Themen reichten von Selbstfürsorge, Resilienz und Konfliktbewältigung über Partizipation und Kommunikation bis hin zu Bewegung, Sprache und kreativen Zugängen. Jede Teilnehmerin konnte die für sie passenden Werkzeuge auswählen: für einen bewussteren Umgang mit eigenen Belastungen, für stärkende Prozesse im Team – und für eine Pädagogik, die Kinder sichtbar macht, beteiligt und in ihrer Entwicklung gezielt unterstützt.
Wirkung, die bleibt und den Alltag prägen kann
Die Wirkung des Fachtags zeigt sich dort, wo Veränderung beginnt: in der Haltung der Fachkräfte. Erzieherinnen, die sich ihrer eigenen Wirkung bewusst sind, begegnen Kindern aufmerksamer, Familien offener und schwierigen Situationen gelassener. Das spüren Kinder – in mehr Zugewandtheit, mehr Beteiligung und mehr Sicherheit. Das erleben Familien – in einer Kita, die verlässlich und ansprechbar bleibt. Und das stärkt Teams – weil tragfähige Zusammenarbeit aus gegenseitiger Achtsamkeit entsteht.
Ein bewegender Abschluss: Das Integrationstheater Compania Paradox
Den Abschluss des Tages gestaltete das Integrationstheater Compania Paradox mit einer eigens für den Fachtag entwickelten Aufführung. Die Gruppe aus Menschen mit und ohne Behinderung präsentierte ein eindrucksvolles Pantomime-Theater mit Masken zum Thema „Das Unerwartete entdecken" – ein berührender Schlusspunkt, der die Leitgedanken des Tages auf kreativ-künstlerische Weise aufgriff und nachwirken ließ.
Organisiert von den drei Veranstaltern – Landesverband der Katholischen Kindertagesstätten, Katholische Erwachsenenbildung Kreis Ravensburg und Katholische Erwachsenenbildung Bodenseekreis – hat der Fachtag weit mehr bewirkt als einen gelungenen Fortbildungstag. Er hat Räume geöffnet: für Reflexion, Ermutigung und neue Energie. Und er hat in Erinnerung gerufen, worum es in der Pädagogik im Kern geht – um Menschen, die anderen Menschen achtsam mit Herz und Haltung begegnen.
Foto: Carmen Hepp
